Immer wieder werden vermeintlich zu frühe Kastrationen bei Tierschutzhunden kritisiert.

Dazu möchten wir heute gern sachlich Stellung nehmen:

1. Die Tiere werden in den uns bekannten Ursprungsländern (wenn sie Glück haben!) in Sheltern untergebracht, die nicht explizit als moderne Tierheime von Architekten mit ausbruchssicheren Gehegen gebaut, sondern meist aus anderen Nutzungen (z.B. Schlachthöfe, Firmengelände) „zweckentfremdet“ übernommen wurden.

Diese Shelter sind also baulich u.a. nicht hermetisch abgeriegelt, d.h. es kommt immer mal vor, dass ein Tier klettert und Zäune überwindet, und sich plötzlich in einem anderen Areal wiederfindet. Nach dem Motto „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“- dies gilt auch für Hunde, z.B. dann, wenn irgendwo eine läufige Hündin zu finden ist.

Um solche „Wanderungen“ zu verhindern, fehlt es einfach an Personal und Geld!

In vielen Regionen ist es sogar so, dass Hunde, auch Junghunde, gefunden werden, die GAR KEINEN Platz in einem Shelter finden, oder aber es gar keine Shelter vor Ort gibt!!!

Solche Fundtiere müssen dann bis zu ihrer eventuellen Adoption (wenn es diese denn überhaupt irgendwann einmal gibt) von Tierschützern draußen versorgt werden, so traurig es ist! Währenddessen wandern sie aber z.T. ab, werden mitgenommen und sie werden dann draußen geschlechtsreif und vermehren sich. Das kann niemand kontrollieren.

2. Aufgrund von Platzmangel können die Tiere in den wenigen Sheltern, die es gibt, nicht getrennt-geschlechtlich untergebracht werden. Das ist auch nicht zielführend! Nicht alle Tiere sind über Altersgruppen hinweg untereinander verträglich –

daher leben die Tiere in altersmäßig passenden Gruppen zusammen, was für sie auch viel angenehmer ist.

3. Es gibt zudem in den uns bekannten Sheltern auf Kreta oder in Ungarn kein 24h anwesendes Personal! So gern wir es hätten – es ist leider nicht bezahlbar, denn die Tierschützer beziehen keine staatliche Förderung!

Das bedeutet, dass die Tiere aktuell oft unbeaufsichtigt in ihrer sozialen Gruppe gemeinsam zusammenleben .

Ob und wann eine Adoption vor Ort oder z.B. in Deutschland erfolgen kann, ist ungewiss: Manche Hunde bleiben Jahre im Shelter – das liegt leider nicht in unserer Hand! Wir tun schon, was wir können, aber wir können es nicht erzwingen!

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4. Hündinnen können bereits ab 6 Monaten geschlechtsreif werden. Der genaue Zeitpunkt ist nicht vorhersehbar und zudem nicht immer zu erkennen. Es KANN nicht sichergestellt werden, dass dieser Zeitpunkt der Geschlechtsreife immer passgenau erkannt wird und dann auch gleich ein Tierarzt verfügbar ist, der sofort kastrieren kann.

Erschwerend kommt hinzu, dass das genaue Alter von Hunden oder Katzen ohnehin nicht bekannt ist – tragen die Tiere bei ihrem Auffinden nun mal keine Geburtsurkunde mit sich. Hier sind die Tierschützer auf Schätzungen der Tierärzte angewiesen, aber eine 100-prozentig genaue Altersbestimmung gibt es nicht!

5. Kastrationen finden in den von uns unterstützen Tierschutzprojekten nur an speziellen Tagen durch approbierte Tierärzte gebündelt statt, aber nicht durchgängig jeden Tag oder jede Woche. Dies wäre weder finanziell, noch logistisch möglich, denn auch dazu fehlt u.a. das Personal, die Tiere hin- und herzufahren und vor / während und nach der OP zu betreuen.

Daraus folgt:

Das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit in Sheltern oder bei Streunern ist riesengroß, wenn Tiere nach ihrer Geschlechtsreife unkastriert bleiben.

Oberstes Gebot in Tierschutzorganisationen ist daher, bei Tieren, die sich in Sheltern befinden, aber auch bei solchen, die draußen versorgt werden, UNBEDINGT eine weiteren Vermehrung zu verhindern.

Alle genannten Faktoren gebieten zusammengenommen eine Kastration vor Eintritt der Geschlechtsreife.

Es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass weitere ungewollte Welpen zur Welt kommen.

Also muss jedes in die Obhut der Tierschützer gelangte Tier nach Möglichkeit umgehend kastriert werden.

Alles andere wäre verantwortungslos, denn dann würde in Kauf genommen, dass es zu Trächtigkeit und Geburt weiterer Welpen in der Obhut von Tierschützern kommt. DAS wäre kein Tierschutz, für den wir stehen. Das kann ernsthaft niemand wollen!

Jeder Tierschützer wird daher diese Vorgehensweise von frühen Kastrationen als unabdingbar akzeptieren – nämlich, um Schlimmeres zu verhindern! Und auch unter Fachleuten wie Forschenden sowie Tierärzten ist diese Maßnahme als unverzichtbares Instrument der Populationskontrolle im Tierschutz absolut unstreitig!!!

Bei einem wohlbehütet in Deutschland aufgewachsenen Welpen sieht das ganze anders aus, das steht hier doch gar nicht zur Diskussion!

Im TIERSCHUTZ geht es aber vorrangig um die Verhinderung von Tierelend und darum, dass nicht noch mehr ungewollte Welpen „produziert“ werden. Um die kümmern sich nämlich nicht die, die hier unsachliche Kritik üben, sondern die wenigen Leute an der „Front“, die jeden Tag mit sterbenden Welpen zu tun haben!

Anders als mit (auch frühen) Kastrationen ist dieses Ziel, ungewollte Welpen zu vermeiden, nicht erreichbar.

Wer dies nicht versteht oder wenigstens akzeptiert, kann sich in dieser Diskussion zur bestmöglichen Vermehrungsprävention im TIERSCHUTZ bitte einfach mal zurückhalten, denn wir sprechen hier NICHT über generelle Kastrationsempfehlungen für jedes Tier, das in Deutschland aufgewachsen ist!

Wir suchen übrigens STÄNDIG nach freiwilligen Helfenden, die im Ursprungsland tatkräftig unterstützen möchten. Vor Ort findet sich dazu leider kaum jemand.

Wir laden euch daher herzlich ein, unsere Shelter einmal zu besuchen.

Macht Euch ein Bild vom Welpenelend, von den Streunern, und von dem ewigen, kräftezehrenden Kampf der wenigen Tierschützer, die ihr Leben der Tierrettung widmen. Wenn man die Situation einmal vor Ort selbst gesehen hat, urteilt man wahrscheinlich anders und wohlwollender!

Zum Thema „Besuch im Shelter“ haben wir übrigens ein Podcast gestaltet, den ihr dazu gern anhören könnt. Wir freuen uns über JEDE und JEDEN, der auf Kreta oder in Ungarn einen unserer Partner besucht und vielleicht gern ein wenig mithelfen möchte.

https://tsv-suedkreta.de/folge-3-tierschutzurlaub-was-ist-das/

WEGSCHAUEN TUN ANDERE.